Prosecco-Secco-Champagner

 

 

Cosmowein

 

 

 

 

Sektsteuer

 

 

Wie hoch ist die Sektsteuer akutell?

 

FĂŒr jeden Sekt, der in Deutschland verkauft wird, muss eine Sektsteuer von 1,02 Euro pro 0,75 l Sekt zuzĂŒglich MwSt. abgefĂŒhrt werden. Sie zahlen als Verbraucher in Deutschland daher 1,21 Euro Steuer auf jede 0,75 l Flasche Sekt. 


Auch fĂŒr z. B. Spanische Schaumweine (Synonym fĂŒr Sekt), die teils fĂŒr unter 2 Euro im Regal stehen, wird diese Sektsteuer fĂ€llig. Daher sollte sich jeder Verbraucher fragen: „Was genau ist in der Sektflasche fĂŒr z. B. 2 Euro enthalten, wenn man die Flasche, die Ausstattung und die Steuern abzieht?“ Selbst fĂŒr die gĂŒnstigste leere Flasche mit simpler Ausstattung muß man mindestens 30 Cent anrechnen. Das ist sehr niedrig gegriffen. Unsere hochwertigen FlaschengĂ€rungssekte mit den schweren Flaschen (damit sie den Druck aushalten) und perfekten Korken mit Naturkorkscheiben liegt bei ca. 2,50 Euro in der Ausstattung!  

 

Historischer Hintergrund

 

Trinken fĂŒr den Krieg

 

1902 fĂŒhrte Kaiser Wilhelm II. die Schaumweinsteuer ein. Seither lieben die Finanzminister sie.

 

Wenn es darum geht, Geld fĂŒr abenteuerliche Projekte aufzutun, sind StaatsmĂ€nner seit jeher erfinderisch. Kaiser Wilhelm II. war da keine Ausnahme. Er trĂ€umte von Einfluss und Weltmacht, von kolonialen BesitztĂŒmern und einer schlagkrĂ€ftigen Kriegsmarine, wie die Briten eine hatten. All das kostet eine Menge Geld. Doch woher nehmen? Da Wilhelm II. sich gern als „König der Armen“ prĂ€sentierte, konnte er dem gemeinen BĂŒrger schwer in die Tasche greifen. So kam er auf eine andere Idee: eine Steuer auf Schaumwein.

 

Am 26. April 1902 verabschiedete der Reichstag ein entsprechendes Gesetz, weil „bei einer so starken Steigerung der Ausgaben fĂŒr die Wehrkraft des Landes auch der Schaumwein herangezogen werden muss“, wie es hieß. Auf den Ladenpreis von 2,50 Reichsmark fĂŒr eine Flasche Sekt wurden 50 Pfennig draufgeschlagen, die in die Kriegskasse des Kaisers flossen. Der freute sich, 1905 wurden elf Millionen Flaschen Sekt geleert. 1909 schlug der Kaiser dann auf und staffelte die Steuer von einer bis zu drei Reichsmark, je nach Preis der Flasche.

 

Von den Einnahmen ließ Wilhelm II. Waffen fĂŒr die Kriegsmarine anschaffen, was die europĂ€ischen Nachbarn, besonders die Briten, mit Sorge beobachteten. Schon 1893 hatte er kurzerhand den Reichstag aufgelöst, weil die Abgeordneten die AufrĂŒstung des Heeres abgelehnt hatten. 1895 war der Nord-Ostsee-Kanal fertig geworden, der es der deutschen Marine ermöglichte, ihre Schiffe schneller von einer KĂŒste zur anderen zu verlegen. Wilhelm I. hatte den fast 100 Kilometer langen Kanal ausheben lassen, Wilhelm II. ihn dann eröffnet und offenbar spontan „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ getauft. Parallel wurden die MarinehĂ€fen in Kiel und Wilhelmshaven vergrĂ¶ĂŸert und neue Waffensysteme angeschafft: Seeminen, Torpedos, U-Boote.

 

 

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein großer Teil der deutschen Flotte versenkt, andere Schiffe mussten den SiegermĂ€chten ĂŒbergeben werden. Doch an einer Sache wurde nicht gerĂŒttelt: der Schaumweinsteuer. Von 1918 an galt der Einheitssatz von drei Reichsmark, dann trieb die Inflation auch die Steuer in die Höhe, 1926 betrug sie wieder eine Reichsmark.

 

Erst 1933 wurde sie abgeschafft, als eine von zahlreichen Maßnahmen, um der Wirtschaftskrise Herr zu werden und den Konsum anzuregen. Doch als Deutschland wieder Krieg fĂŒhrte, erinnerte man sich im Reichsfinanzministerium an die eintrĂ€gliche Geldquelle, und vier Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Sekttrinken wieder teurer, und zwar um eine Mark pro Flasche. Die Steuer wurde in Form eines Kriegszuschlags fĂ€llig, der vor allem der U-Boot-Flotte zugutekommen sollte.

In der Kriegswirtschaftsverordnung vom 4. September 1939 wurde dies damit begrĂŒndet, dass sich „jeder Volksgenosse die notwendigen EinschrĂ€nkungen in der LebensfĂŒhrung und Lebenserhaltung auferlegen“ mĂŒsse. Im Oktober 1941 erhöhte das Finanzministerium den Preis auf drei Reichsmark.

 

Schampus fĂŒr alle!

 

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gaben die Alliierten dem Kaiser-Wilhelm-Kanal den Namen Nord-Ostsee-Kanal, und 1950 wurde auch ĂŒber die Schaumweinsteuer debattiert. Der Bundesfinanzminister Fritz SchĂ€ffer hatte darĂŒber zu entscheiden, „ob sich auch normale Sterbliche kĂŒnftig wieder einmal eine Flasche Schampus leisten können“, schrieb der »Spiegel« ĂŒber den Disput.

 

Um es kurz zu machen: Der Schaumwein blieb teuer. Dabei hatte ein Bundestagsabgeordneter aus dem Weinland Rheinland-Pfalz mit einer Petition versucht, die Steuer von drei Mark pro Flasche abzuschaffen. „Nachdem die Tabaksteuer-Senkung fĂŒr Zigarren infolge der Steigerung des Konsums zu einer erheblichen Erhöhung der Tabaksteuer-Einnahmen gefĂŒhrt hat, wird die Bundesregierung ersucht, einen Gesetzentwurf fĂŒr die Beseitigung des Kriegszuschlags auf Tabak, Bier und Schaumwein im Bundestag vorzulegen“, argumentierte der Volksvertreter – vergeblich.

 

Aus Sicht der Regierung ist das nur allzu verstĂ€ndlich. Denn anders als Abgaben, die zweckgebunden entnommen werden, fließt eine Steuer in den Staatshaushalt, die Regierung kann also mit dem Geld machen, was sie will.

Text: Ingo Malcher (mehr dazu brandeins.de magazin)